Die Analyse umweltfreundlicher Produktentwicklungsprozesse in der Hausgeräteindustrie der Bundesrepublik und DDR von Beginn der 1970er Jahre bis zum Ende der 1990er Jahre befindet sich an einer spannungsreichen Schnittstelle von Fragen der Innovations-, Umwelt- und Unternehmensgeschichte zu einer Zeit, als Umweltschutz von einem nahezu unbekannten Begriff zu einem der wichtigsten "Schrittmacher des gesellschaftlich-politischen Wandels" wurde. Im Mittelpunkt steht der konfliktreiche Prozess der Integration des Umweltschutzgedankens als neues Leitbild in Innovationsprozesse und Organisationskultur der betreffenden Unternehmen bzw. Betriebe mit einem Schwerpunkt auf der Senkung von Verbrauchswerten in den Produktsparten Waschen und Kühlen. Dabei geraten Fragen der umweltverträglichen Gestaltung von Produktions-, Transport- und Entsorgungsprozessen in den Blick ebenso wie Veränderungen des Konsumentenhandelns oder die vermittelnde Funktion des Handels in Bezug auf eine stärkere Beachtung ökologischer Kriterien beim Kauf und der Nutzung von Haushaltsgeräten. Ausgehend von dem Befund einer umfassenden Ökologisierung von Gesellschaft und Politik seit den späten 1960er Jahren in der Bundesrepublik bzw. einer Zeit des umweltpolitischen Aufbruchs in der DDR bis etwa Mitte der 1970er Jahre stellen sich die Fragen, auf welchen Wegen veränderte ökologische Wissensbestände, Ideen oder Wertvorstellungen ihren Weg in Unternehmen bzw. Betriebe der Branche fanden, wie sie dort wahrgenommen und in Kommunikations- und Innovationsprozesse von Unternehmen bzw. Betrieben übersetzt wurden. Wer waren die Träger dieses Leitbildes in den Unternehmen bzw. Betrieben der Branche und welche Impulse gingen dabei von den Konsumenten sowie der Politik in beiden deutschen Teilstaaten aus?
Sylvia Wölfel, M.A., TU Dresden, Philosophische Fakultät, Lehrstuhl für Technik- und Technikwissenschaftsgeschichte, Tel. 0351-463-32269