Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Baufahrzeug in neuem Design. Bergungsräumgerät heißt es in der Fachsprache. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein Arbeitsfahrzeug, das gleich mehrere Funktionen auf einmal erfüllt, nämlich die von Bagger, Kran und Radlader. "Der Werkzeugträger wurde speziell für den Katastropheneinsatz entwickelt", so Christian Mogel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Technisches Design der TU Dresden. Hier werden unter der Leitung von Prof. Dr. Ralph Stelzer, Lehrstuhl für Konstruktionstechnik/CAD, Maschinenbauingenieure mit Designkompetenz ausgebildet. Zu ihnen gehört Christian Mogel, Designer und Konstrukteur des mobilen Werzeugträgers. "Dem Arbeitsfahrzeug liegt ein innovatives Konzept zu Grunde", so der Designingenieur. "Durch seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten kann es bei Katastropheneinsätzen schneller, flexibler und schonender arbeiten. Das ist wichtig bei der Bergung von Verschütteten."
Wie gelingt diesem Fahrzeug, was für übliche Bau- und Räumfahrzeuge oft unüberwindliche Hindernisse darstellen? Dazu Christian Mogel: "Beim Entwurf des Fahrzeugs haben wir intensiv mit katastrophenerfahrenen Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks zusammengearbeitet. Als Entwurfsbasis des innovativen Fahrzeugs entschieden wir uns für einen geländegängigen und "selbstfahrfähigen" Radlader. In Unfall- und Katastrophengebieten müssen häufig unzugängliches Gelände oder zerstörte Zufahrten überwunden werden. Und das in möglichst kurzer Zeit. Rettungsgerät, Hilfsgüter und andere Ausrüstung sind zu entladen und aufzubauen. Unser Fahrzeug kann - wie ein Radlader - in der Grundposition Schaufel, Palettengabel und anderes Großgerät tragen und bedienen. Damit kann das Arbeitsfahrzeug Wege zum Einsatzort schaffen, Plätze ebnen für Sanitäts- und Sammelstellen sowie Trümmer forträumen."
Und es steckt noch mehr in dem wendigen Fahrzeug. Unter dem Hauptarm befindet sich ein zweiter ausfahrbarer Zusatzarm mit einer weiteren Werkzeugschnittstelle. Dieser zweite Arm hat in ausgeklappter Position mehrere bewegliche Glieder und erfüllt dadurch die Funktion eines Baggerarms. An diesen können Presslufthammer oder Greifer montiert werden, sodass das Fahrzeug auch weiter entfert liegende Trümmer anheben, abstützen oder zerkleinern kann, ohne selbst auf unpassierbarem Grund fahren zu müssen. "Sind Verschüttete noch nicht geortet, trägt ein Bergungsfahrzeug, das nicht ständig seine Position wechseln muss, zur Sicherheit dieser Menschen bei", so Mogel. Wird der Teleskoparm vollständig ausgefahren, ist auch ein Einsatz als Hebebühne oder als Kran mit der ebenfalls am Fahrzeug montierten Seilwinde möglich. Die Winde kann ohne Arm auch zum Schleppen anderer Einsatzfahrzeuge oder zum Sichern von einsturzgefährdeten Trümmern genutzt werden. Die verschiedenen Werkzeuge können dabei schnell angeschlossen und gewechselt werden. Christian Mogel: "So können die Hilfskräfte mit nur einem Fahrzeug auf viele Situationen am Krisenort reagieren. Das spart vor allem Zeit, denn häufig behindern sich verschiedene Baufahrzeuge gegenseitig und verlangsamen dadurch die Arbeistprozesse. Im Katastrophenschutz zählt jedoch jede Minute."
Jens Voigt, Innovationsmanager der Sächsischen PatentVerwertungsAgentur der GWT hat die Patentierung des Multitalents begleitet. Voigt: "Das Arbeitsfahrzeug überzeugt neben seiner Leistungsstärke auch durch sein Design. Dieses strahlt Kraft und Vertrauen aus. Man sieht ihm an, dass es in Katastrophenfällen erfolgreich Menschenleben retten kann." Doch auch im alltäglichen Baubereich kann ein solches Fahrzeug nützlich sein. Für kleinere Unternehmen mit häufig wechselnden Aufgaben kann ein Multifunktionsgerät im Vergleich zu mehreren teuren Spezialfahrzeugen kostengünstiger sein.
Sächsische Patentverwertungs-Agentur (SPVA), Jens Voigt, 0351-8734-1725 / Zentrum für Technisches Design, TU Dresden - Christian Mogel (Bild, Design und Konstruktion)